Okay, ich habe die Folge inzwischen zweimal gesehen und wenn ich jetzt einzelne Teile nicht für gut befinde, dann ist das Jammern auf einem extrem hohen Niveau. In meinem persönlichen Ranking ist sie ungefähr gleichauf mit "The Great Game" und damit an zweiter Stelle. Mein Favorit ist noch immer "Study in Pink".
Dabei sah es in der ersten Hälfte der Folge sogar danach aus, als ob Scandal Study von der Spitzenposition verdrängen könnte. Die Auflösung des Cliffhangers war genial. Und ein Beispiel für die kleinen Details, auf die Steven Moffat und Mark Gatiss immer achten. Dass Jim Moriartys Klingelton ausgerechnet "Staying alive" von den BeeGees hat, bringt mich auch jetzt noch zum Schmunzeln. Auch die Verweise auf tatsächliche Holmes-Fälle (Das gefleckte Band und Der griechische Übersetzer) sind sehr nett eingebaut. Und solange sich die Folge mehr oder weniger an die Vorlage hielt, war das Ergebnis wirklich herausragend. Auch wenn ich die Betäubungsnadel von Ms. Adler ein wenig plump fand - im Gegensatz zu ihren sonstigen Methoden.
Aber danach war man als Zuschauer allein gelassen. Es ging nur noch um Sherlock und Irene Adler. Sicher da war im Hintergrund immer noch dieses Geheimnis, dass die gute Ms Adler scheinbar mit in den Tod genommen hatte. Allerdings war es für mich nicht genug, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Die Folge war danach beileibe nicht uninteressant, aber man wußte irgendwie gar nicht mehr so recht, worum es ging. Moffat und Gatiss haben sich so sehr darauf konzentriert, Sherlocks Beziehung zu Liebe zu zeigen, dass alles andere daneben verblasste.
Natürlich waren da auch großartige Momente dabei. Sherlock, der sich mit mörderischer Wut an den CIA-Menschen rächt, der Mrs. Hudson verletzt hat. Oder auch seine Entschuldigung an Molly sowie seine Besorgnis in der Leichenhalle, als es ausgerechnet Molly ist, die ihm Irene Adlers (vermeintliche) Leiche zeigt. Und ich mochte Irene Adler wirklich. Weil sie eine clevere Frau ist. Weil sie sich durchs Leben schlägt und dabei nur auf ihre Stärken vertraut. Und deswegen ärgert mich das Ende. Dass sie sich doch in Sherlock verliebt hat. Wenn es nur darum ging, genau diesen Code als Lösung zu präsentieren - das wäre auch anders gegangen. Sherlock hatte das Telefon zur Sicherheit - es war sherlocked. Man muss keine wirkliche Liebesgeschichte draus machen. Weil es auch im Buch keine war.
Ein weiterer Punkt, der mich stört: John war irgendwann nicht mehr präsent. Ab der Hälfte der Folge war er zwar schon zur Nebenfigur degradiert, aber er durfte sich immerhin noch um Sherlock kümmern. Aber irgendwann war er einfach weg. (Und es ist mir egal, dass das vermutlich auch mit seinen Dreharbeiten für den Hobbit zusammenhängt.) Mir hat ein wenig gefehlt, dass die Beziehung zwischen den beiden mehr beleuchtet wird. Am Anfang erkennt man noch Züge davon: Der Wettstreit mit dem Blog, Sherlocks Sorge als John erschossen werden soll. Aber das geht unter.
Allerdings muss man sagen, dass Gatiss und Moffat den Sherlock-und-John-Shippern nicht das Herz gebrochen haben. Denn aus Johns Fürsorge ist klar, dass Sherlock ihm viel bedeutet. Das sehen auch Johns aktuelle Freundin und Irene Adler so. Und dass Sherlock die Maße einer Frau erkennt - nun ja, gehört irgendwie auch zu seinem Job, oder?
Wie gesagt, das ist hier Jammern auf einem verdammt hohen Niveau. Wobei man natürlich auch sagen muss, dass durch die extrem positive Resonanz auf die erste Vorführung auch sehr hohe Erwartungen geweckt wurden. Ich würde nicht soweit gehen, dass diese nicht erfüllt wurden. Aber da ist definitiv noch Luft nach oben.
Montag, 2. Januar 2012
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